Lehre und FakultÀten: F I - F II

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FĂŒr den Lehr­be­trieb ver­ant­wort­lich sind vier Fa­kul­tĂ€ten:

FA­KULTÄT I - Ein­satz- und FĂŒh­rungs­wis­sen­schaften

Stu­di­en­fĂ€­cher:

 

  • Ein­sat­z­wis­sen­schaft

  • Ein­satz­trai­ning / Sport / Schießen

  • FĂŒh­rungs­wis­sen­schaft

  • Ver­kehrs­wis­sen­schaft

 

FA­KULTÄT II - Kri­mi­nal­wis­sen­schaften - nĂ€­here In­for­maionen
 

Wenn sich ein Au­ĂŸen­ste­hender ĂŒber­legen sollte, was denn wohl ein wer­dender Po­lizei- oder Kri­mi­nal­kom­missar alles stu­dieren muss, um seinen Beruf gut aus­zuĂŒben, denkt er si­cher nicht zu­letzt an die Kri­mi­nal­wis­sen­schaften. Kri­mi­na­listik und Kri­mi­no­logie sind dann auch der Bei­trage der Fa­kultĂ€t II, fĂŒr den kĂŒnf­tigen Be­rufsweg der Stu­die­renden. WĂ€h­rend sich die Kri­mi­na­listik mit den tak­ti­schen und tech­ni­schen Mög­lich­keiten zur ef­fek­tiven und ef­fi­zi­enten Be­kĂ€mp­fung der Kri­mi­na­litĂ€t sowie der Auf­klĂ€­rung von Straf­taten im Ein­zel­fall be­fasst, stellt die Kri­mi­no­logie eher ge­ne­relle Fragen nach der Ent­ste­hung und Ent­wick­lung von Kri­mi­na­litĂ€t.

Ein ei­gen­stĂ€n­diger kri­mi­nal­wis­sen­schaft­li­cher Stu­dien­gang wird nicht an­ge­boten. Eine Frage, die immer wieder an uns ge­richtet wird.

Die struk­tu­rellen Ver­Ă€n­de­rungen in der Po­lizei, vor allem die weit­rei­chende Er­mitt­lungs­kom­pe­tenz der Schutz­po­lizei und die damit ver­bun­dene Neu­struk­tu­rie­rung des Stu­diums, hatten in jĂŒn­gerer Zeit auf die Vor­le­sungen er­heb­liche Aus­wir­kungen. Er­folgten ĂŒber zwei Jahr­zehnte hinweg die Vor­le­sungen fĂŒr die Schutz- und die Kri­mi­nal­po­lizei ge­trennt, so werden diese heute im Pflicht­teil zu­sam­men­ge­fasst. Dabei finden Be­rufs­an­fĂ€nger und "alte Hasen" im selben Hör­saal zu­sammen. Alle zu in­ter­es­sieren, dabei die einen zu­frieden zu stellen und die an­deren nicht zu ĂŒber­for­dern, ist eine Her­aus­for­de­rung, der es ge­recht zu werden gilt indem ver­stĂ€rkt auf Me­tho­den­kom­pe­tenz ab­ge­stellt wird. Reines Fak­ten­wissen wird zu­neh­mend auf elek­tro­ni­schem Wege ver­fĂŒgbar ge­macht. So kann jeder Stu­die­rende dem in­di­vi­du­ellen Wis­sens­stand ent­spre­chend seine LĂŒcken schließen.

Die he­te­ro­gene Zu­sam­men­set­zung der Lehr­ver­an­stal­tungen, deren Teil­nehmer bis zum Stu­dium un­ter­schied­lichste Be­rufs­wege haben, birgt aber auch den Vor­teil, dass breites Er­fah­rungs­wissen ein­ge­bracht wird und so Sy­n­er­gie­ef­fekte ent­stehen. Un­ter­stĂŒtz wird dies durch die Viel­falt der Lehr­me­thoden, die neben der klas­si­schen Vor­le­sung, Gruppen- und Pro­jekt­ar­beiten sowie Se­mi­nare um­fassen. Es ist unser An­liegen, dass die Stu­die­renden auf diesem Weg en passant ein klein wenig selbst zu Leh­renden werden. Auch dass ist eine Fa­cette des po­li­zei­li­chen Be­rufs­bildes.

Neben den tra­di­tio­nellen, eng mit den Rechts­wis­sen­schaften ab­ge­stimmten Grund­lagen der Kri­mi­nal­taktik, be­ste­hend aus Ver­dachts­lehre, Per­so­nal­be­weis, Fahn­dung und In­for­ma­ti­ons­sys­temen, werden heute allen Stu­die­renden Themen wie die Fall­ana­lyse, die Bil­dung von Tat-/TĂ€­terhy­po­thesen und die Ar­beit in Er­mitt­lungs­gruppen oder Son­der­kom­mis­sionen dar­ge­boten. Da­neben werden Kennt­nisse zu ein­zelnen De­likts­be­rei­chen in Ab­hĂ€n­gig­keit der ak­tu­ellen Kri­mi­na­li­tĂ€ts­lage und Recht­s­ent­wick­lung ver­mit­telt. Dies findet in Ab­stim­mung mit den In­halten der Psy­cho­logie statt.
Spe­zi­althemen, wie z. B. die Brander­mitt­lung oder Wirt­schaft­kri­mi­na­litĂ€t bleiben da­gegen den Schwer­punkt­stu­dien vor­be­halten, die mit Ein­fĂŒh­rung des Ba­che­lor­stu­dien­ganges in Wahlm­odule ĂŒber­gehen.

Die eben­falls als ei­gen­stĂ€n­diges Fach aus­ge­wie­sene Kri­mi­nal­technik sollen die Stu­die­renden als eine em­pi­ri­sche, wis­sen­schaft­liche Dis­zi­plin kennen lernen und ver­stehen, welche die Er­kennt­nisse der Na­tur­wis­sen­schaften, der Rechts­me­dizin, sowie der tech­ni­schen Ent­wick­lungen in­ter­dis­zi­plinĂ€r zur Auf­klĂ€­rung po­li­zei­re­le­vanter Er­eig­nisse ein­setzt. Die Be­deu­tung des Er­ken­nungs­dienstes, ver­schie­dene Spu­ren­arten, deren Si­che­rung bei Ver­kehrs­un­fĂ€llen und in vielen De­likts­fel­dern bis hin zu Se­xual­de­likten oder To­deser­mitt­lungen, bilden die In­halte. Das Er­kennen von fal­schen  Per­so­nal­do­ku­menten und Di­gi­tale Spuren ge­winnen immer mehr an Be­deu­tung.
Über die Lehre i. R. des Stu­diums hinaus bieten die Mit­glieder der Fach­gruppe das all­jĂ€hr­liche In­ter­na­tio­nale Se­minar fĂŒr Kri­mi­nal­technik an. Durch in­ten­sive Zu­sam­men­ar­beit mit den Rechts­me­di­zi­nern der Uni­ver­si­tĂ€ten Baden-WĂŒrt­tem­bergs, dem Lan­des­kri­mi­nalamt, dem Bun­des­kri­mi­nalamt und Fach­firmen wird in diesem viel be­ach­teten, grenz­ĂŒber­schrei­tenden  Forum der tech­ni­scher Wei­ter­ent­wick-lungen  Rech­nung ge­tragen.

Kri­mi­nal­tak­tisch wie –tech­nisch be­steht die grĂ¶ĂŸte Her­aus­for­de­rung darin, die Leh­rin­halte stĂ€ndig der ra­santen Ent­wick­lung der Elek­tronik und Com­puter-tech­no­logie an­zu­passen, die glei­cher­maßen neue De­likts­formen wie Er­mitt­lungs-chancen mit sich bringt.

Der kri­mi­no­lo­gi­sche Part des Stu­diums an der Hoch­schule fĂŒr Po­lizei soll den Stu­die­renden ĂŒber ihre be­ruf­li­chen All­tags- und Ein­zel­fal­ler­fah­rungen hinaus Hin­ter­grund­in­for­ma­tionen zu den ver­schie­denen Er­schei­nungs­formen von Kri­mi­na­litĂ€t all­ge­mein und der kon­kreten Straftat im Be­son­deren ver­mit­teln, sowie den Blick auf die grö­ĂŸeren Zu­sam­men­hĂ€nge richten, in denen "Straf­ver­fol­gung" statt­findet. Die ge­sell­schaft­li­chen, so­zialen und psy­cho­lo­gi­schen "Ur­sa­chen", Be­din­gungs-zu­sam­men­hĂ€nge und GrĂŒnde der ver­schie­denen Er­schei­nungs­formen von Kri­mi­na­litĂ€t werden dabei ebenso auf­ge­griffen wie der je spe­zi­fi­sche Um­gang der Ge­sell­schaft mit Kri­mi­na­litĂ€t und mit dem "Kri­mi­nellen". Zu­gleich sollen die Stu­die­renden aber auch be­fĂ€­higt werden, im Ein­zel­fall den "TĂ€ter in seinen so­zialen Be­zĂŒgen" im Hin­blick auf seine kri­mi­no­lo­gi­schen Ge­fĂ€hr­dungs­lagen und seine kri­mi­nelle Ge­fĂ€hr­lich­keit ein­zu­schĂ€tzen. Es geht also im mehr­fa­chen Sinne des Wortes um "An­ge­wandte Kri­mi­no­logie". Dabei spielen so­zio­lo­gi­sched Aspekte eine maß­geb­liche Rolle. Dem wurde im neuen Ba­che­lor­stu­dien­gang Re­chung ge­tragen, indem die FĂ€­cher Kri­mi­no­logie und So­zio­logie zu­sam­men­ge­fĂŒhrt werden. 

Die  Vor­le­sungen im Grund­stu­dium I und II sind auf eine sys­te­ma­ti­sche Wis­sens­ver­mitt­lung aus­ge­richtet: Gleich zu Be­ginn des Stu­diums wird den Stu­die­renden mit dem The­menschwer­punkt "Ver­bre­chen und Kri­mi­na­litĂ€t als ge­sell­schaft­li­ches PhĂ€­nomen" vor Augen ge­fĂŒhrt, dass die po­li­zei­lich bzw. amt­lich re­gis­trierte Kri­mi­na­litĂ€t be­reits das Pro­dukt eines vor­aus­ge­gan­genen viel­schich­tigen Be­wer­tungs-, Her­stel­lungs- und Aus­fil­te­rungs­pro­zesses durch Opfer, Zeugen, Um­feld usw. ist, der sich auf der Ebene der staat­li­chen Straf­ver­fol­gung durch die Be­wer­tungen und Ent­schei­dungen der Straf­ver­fol­gungs­or­gane nicht nur im Rahmen recht­li­cher Vor­gaben, son­dern auch durch die je­wei­lige "De­fi­ni­ti­ons­macht" der Ent­schei­dungs­trĂ€ger fort­setzt. Neben den Mög­lich­keiten und Grenzen von Aus­sagen auf der Basis von Kri­mi­nal­sta­tis­tiken, ins­be­son­dere der Po­li­zei­li­chen Kri­mi­nal­sta­tistik, werden auch die Me­thoden und Er­geb­nisse der Dunkel-feld­for­schung sowie jener zur Kri­mi­na­li­tĂ€ts­furcht be­leuchtet. Im Zen­trum des Grund­stu­diums stehen je­doch die Er­schei­nungs­formen und die Er­klĂ€­rungs­an­sĂ€tze zur Kri­mi­na­litĂ€t ein­zelner Be­völ­ke­rungs­gruppen, ins­be­son­dere von Kin­dern, Ju­gend­li­chen und Her­an­wach­senden, von Mi­granten mit an­derem kul­tu­rellen Hin­ter­grund, von Rand­gruppen und Au­ĂŸen­sei­tern, aber auch die Themen "Frauen und Kri­mi­na­litĂ€t" sowie "alte Men­schen und Kri­mi­na­litĂ€t". Einen wei­teren Schwer­punkt bildet ein Über­blick ĂŒber kri­mi­no­lo­gi­sche Theo­rien und Er­klĂ€­rungs­an­sĂ€tze zum TĂ€ter in seinen so­zialen Be­zĂŒgen, zum Ver­bre­chen­sopfer (Vik­ti­mo­logie), zum Ein­fluss von Wohn­um­welt, StĂ€d­tebau und Ar­chi­tektur auf die Ent­ste­hung von Straf­taten sowie zu den Wech­sel­wir­kungen von Me­dien­konsum und Kri­mi­na­litĂ€t. Die zen­trale Frage ist dabei stets, wie diese Er­kennt­nisse fĂŒr Maß­nahmen der Kri­mi­na­li­tĂ€ts­kon­trolle und der Kri­mi­nal­prĂ€­ven­tion nutzbar ge­macht, prak­tisch um­ge­setzt und die so ge­trof­fenen Maß­nahmen auf ihre Wirk­sam­keit ĂŒber­prĂŒft (Eva­lua­tion) werden können.

Im Haupt­stu­dium  mĂŒnden diese Er­kennt­nisse im Rahmen ver­schie­dener fĂ€­cher-ĂŒber­grei­fend zu be­leuch­tender Sze­na­rien in die Dar­stel­lung von Er­schei­nungs­formen, Er­klĂ€­rungs-, Be­kĂ€mp­fungs- und PrĂ€­ven­ti­ons­an­sĂ€tze ein­zelner De­likts­felder wie Kor­rup­tion, Ge­walt­kri­mi­na­litĂ€t, Se­xu­al­kri­mi­na­litĂ€t oder po­li­tisch mo­ti­vierter Kri­mi­na­litĂ€t.